Ein Jubiläum im Zeichen der Kunstfreiheit:

Die Kunststiftung NRW feiert
ihr 3o-jähriges Bestehen


v.l.n.r. Oberbürgermeister Thomas Geisel, Generalsekretärin Dr. Ursula Sinnreich, Staatssekretär Klaus Kaiser bei der Festveranstaltung zum 30-jährigen Jubiläum der Kunststiftung. Foto: Katja Illner.



Mehr als zweihundert Gäste aus Kunst, Kultur und Politik folgten der Einladung der Kunststiftung NRW ins Düsseldorfer FFT, um ihr dreißigjähriges Bestehen zu feiern.

Zu Beginn der Festveranstaltung zeichnete Staatssekretär Klaus Kaiser in seinem Grußwort eine eindrucksvolle Bilanz der Kunststiftung, die im Rahmen ihrer Förderaktivitäten in den dreißig Jahren ihres Bestehens knapp 8500 Projekte ermöglichen konnte. Rund 4000 Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen visuelle Kunst, Musik, Tanz, Theater, den Performing Arts, der Literatur und der literarischen Übersetzung kamen bislang in den Genuss einer individuellen Förderung und wurden von der Stiftung auf vielen Ebenen unterstützt. Doch nicht nur Projekte zu fördern, sei das alleinige Ziel der Stiftung, sondern auch und gerade in Zeiten einer sich wandelnden Gesellschaft zähle es zu ihren vordringlichen und unbedingt unterstützenswerten Aufgaben, für die Freiheit der Kunst einzutreten und ihre Stellung in der Gesellschaft zu sichern.


Das Unmögliche Möglich machen – Aufgabe und Ziel zugleich


Wie weitsichtig und zugleich innovativ das Förderinteresse einer Stiftung ausgelegt werden muss, die sich um die Unterstützung von zeitgenössischer, manchmal sperriger und widerständiger Kunst bemüht, unterstrich die scheidende Generalsekretärin der Kunststiftung, Dr. Ursula Sinnreich, in ihrer anschließenden Festansprache. „Stand in den ersten Jahrzehnten die klassische Projektförderung im Mittelpunkt der Stiftungsaktivitäten, so entstanden in den vergangenen Jahren innovative Förderformate, die in engem Austausch mit den Künstlerinnen und Künstlern entwickelt wurden.“ So seien neben der Förderung von Konzerten, Ausstellungen und Tanzprojekten, Lesungen und Theaterproduktionen unterschiedlichste Research-Formate, Labore, Mentoring Modelle, Fellowships und transdisziplinäre Initiativen auf den Weg gebracht worden. Innovativ zu nennen seien diese Förderformate vor allem aus einem Grund: „Sie betrachten Recherche und Experiment als ein eigenständiges substantielles künstlerisches Handeln, das sich nicht darin erschöpft, ‚Vorarbeit‘ zu einem Werk zu sein, sondern das Recht auf dieselbe Bedeutung besitzt, wie ein vollendetes Werk selbst – gerade und selbst auch dann, wenn dieses künstlerische Handeln nicht zu einem Werk führt.“ Dem entsprechend nehme in der heutigen Förderung der Kunststiftung neben der klassischen Projektförderung die Förderung von Prozessen einen gleichberechtigten Platz ein. Ursula Sinnreich bezeichnete diese Entwicklung als einen „Quantensprung in der Förderstrategie“, der der Kunststiftung ermögliche, konsequent auf die aktuellsten Bewegungen der zeitgenössischen Kunst einzugehen.


Wie aktuelle, gesellschaftsrelevante Themen auf der Performance-Bühne verhandelt und zur Darstellung gebracht werden können, zeigte im Anschluss das Bonner Fringe-Ensemble mit der Aufführung der Live Writing-Performance „Border off Border“, die das Thema Grenze tiefschürfend auslotet. Nicht minder beeindruckend war das experimentelle Konzert der Klangkünstlerin und -virtuosin Dorrit Bauerecker, die das Veranstaltungsprogramm zu einem furiosen Abschluss führte und die Gäste zum Ausklang des Abends einlud, miteinander ins Gespräch zu kommen.